Lebendige Tradition, bewegender Mix

Mugam ist die traditionelle Musik Aserbaidschans. Auch heute noch sehr lebendig, beeinflusst sie verschiedenste Musikrichtungen, u.a. Jazz und Klassik. Eine bedeutende Quelle des Mugam waren im Mittelalter die Volkssänger, deren Gesänge sich vor allem auf die Geschichten des „Großvater Gorgud“, eine bedeutende, türkische Textsammlung beziehen. Heute werden beim Mugam auch Verse bedeutender aserbaidschanischer Literaten, z.B. von Nizami, zitiert. Eine traditionelle Mugam-Gruppe besteht aus drei Musikern: gespielt wird das Zupfinstrument Tar, das Streichinstrument Kamancha sowie die Trommel Gaval, die vom Sänger der Gruppe bedient wird. Auf Grund seiner künstlerischen Eigenständigkeit wurde Mugam 2003 in die Unesco-Liste für Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen.

Klassische Musik

Das 20. Jahrhundert spielt in der Entwicklung der klassischen Musik in Aserbaidschan die entscheidende Rolle. Gelang es Komponisten und Musiker doch internationales Niveau zu erreichen. Ausschlaggebend dafür war eine neue Generation von Musikern, die in den 30er und 40er Jahren Ihren Einfluss geltend machten und die vorherrschenden europäischen Strömungen wie Zwölftonmusik und Neoklassizismus mit aserbaidschanischen Elementen kombinierten. Üzeyir Hacibeyov (1885 - 1948) gilt als der herausragende Vertreter der aserbaidschanischen Klassik. Mit „Leyli und Medschun“ schuf er die erste Oper aus dem Orient, mit „Koroglu“ eine in 67 Sprachen übersetzte Oper, die unter dem Titel „Samt und Seide“ auch in deutschsprachiger Fassung aufgeführt wurde. Auch die erste Ballettmusik des Orients stammt aus Aserbaidschan und ist dem Wahrzeichen Bakus gewidmet: dem Jungfrauenturm.

Tipp für Klassik-Fans

Besonders in Baku kommt man in den Genuss vieler nationaler und internationaler Aufführungen und Konzerte. Zu beachten ist aber die Sommerpause, die ungefähr Mitte September endet.

 

Jazz

Erste Impulse für den Jazz in Aserbaidschan lieferte in den 30er Jahren, instrumentiert mit Posaunen, Hörnern, Saxofonen, Gitarre und Schlagwerk, das staatliche Estrade-Orchester. Ein Rückschritt in der Entwicklung brachten die 50er Jahre – Jazz wurde von der Sowjetunion als westliche Kunst deklariert. Entsprechend schwierig wurde es für Jazzliebhaber ungehindert ihre Musik zu hören bzw. zu spielen. In den 60er Jahren wurde eine neue Ära des Jazz in Aserbaidschan eingeläutet. Zu besonderem Ansehen gelangte der Komponist und Pianist Vaqif Mustafa Zadeh, der Jazz mit Elementen des Mugam kombinierte. Seine Tochter Aziza Mustafa Zadeh, die bereits mit 17 Jahren den renommierten Thelonius Monk Pianowettbewerb in Washington gewann, setzt das Erbe ihres Vaters mit einem Mix aus Jazz, Mugam und Klassik fort.

Tipp für Jazz-Fans

In Baku kann man die Vertreter der Jazz-Szene in mehreren Jazz-Clubs erleben. Zudem bietet www.jazz.az Hörbeispiele bedeutender aserbaidschanischer Jazz-Musiker, das aktuelle Programm des Bakuer Jazz-Centers und Infos zum jährlichen Caspian Jazz und Blues Festival, auf dem auch zahlreiche internationale Jazz-Stars zu hören sind. Ebenfalls hörenswert: www.azizamustafazadeh.de, die Website der mittlerweile in Mainz lebenden Aziza Mustafa Zadeh.

 

Rock und Rap

Seit den 90er Jahren verbreitet sich auch Rap zunehmend in Aserbaidschan. Der Rapper Anar Nagilbaz legte mit seinem ersten Album den Grundstein für den Erfolg. Weitere aktuelle Rap-Musiker sind die Gruppen Deyirman, Elsad Hose, Uran, Haos“ sowie die Rapperin Mc. Rain. Rock begann sich Mitte der 60er in Aserbaischan durchzusetzen. Wurden zunächst vorwiegend nur englischer und amerikanischer Rock gehört bzw. von aserbaidschanischen Bands imitiert, erfolgte dann in den 70er die Entwicklung eigenständiger Varianten. Dabei wurden traditionelle Instrumente wie Ud, Tar und Kamancha eingesetzt.